Was machen Gebärdensprachdolmetscher_innen?

Die Profession der Gebärdensprachdolmetscher_innen ist noch relativ jung. Waren es bis Mitte der 80er Jahre vor allem Verwandte oder Gehörlosenlehrer_innen, die in einer eher helfenden Funktion agierten, sind Gebärdensprachdolmetscher_innen heute neutrale Mittler_innen zwischen zwei Sprachen und deren Kulturen.

 

In sämtlichen Lebensbereichen treffen Hörende und hörgeschädigte Gebärdensprachnutzer_innen aufeinander. Hier sorgen Gebärdensprachdolmetscher_innen für eine reibungslose Kommunikation beider Sprach- und Kulturgruppen. Durch die Verdolmetschung in beide Richtungen, wird eine Teilhabe in nahezu allen Lebensbereichen ermöglicht.

 

Sie tun dies überwiegend vor Ort, also in der entsprechenden Kommunikationssituation und dolmetschen deshalb vorwiegend simultan. Selten werden sie auch als Übersetzer_innen tätig und übertragen schriftliche Texte in gebärdete Videoaufnahmen.

Dies bedeutet, dass sie mit minimaler Zeitverzögerung mitunter fachlich komplexe Inhalte von einer Sprache in die andere übertragen müssen. Nur selten ist Vorbereitungsmaterial zugänglich. Nichtsdestotrotz ist oftmals eine gewissenhafte Vorbereitung für eine optimale Übersetzung vonnöten.

 

Die nötigen Voraussetzungen dafür erwerben sie an Fachhochschulen, Universitäten oder in Ausbildungen, die sie auf einen der anerkannten Abschlüsse vorbereiten.

Die Berufs- und Ehrenordnung der Gebärdensprachdolmetscher_innen bietet die wichtigste Arbeitsgrundlage im Berufsalltag. Diese beinhaltet u.a. eine regelmäßige Fortbildungspflicht zur Qualitätssicherung.

 

Um die Konzentration und die Qualität der Verdolmetschung dauerhaft zu optimieren, wird ab einer Einsatzlänge über eine Stunde (bis auf wenige Ausnahmen) in Doppelbesetzung gearbeitet.  

 

Häufige Einsatzgebiete von Gebärdensprachdolmetscher_innen sind:

- Bildungsbereich

- Arbeitsleben

- Öffentliche Verwaltungen

- Gesundheitswesen

- Wirtschaft

- Erziehungswesen

- Rechtsprechung

- Medien

- Kongresse oder Tagungen

- Kulturelle Veranstaltungen.

 

Bei internationalen Veranstaltungen kann die Zusammenarbeit mit Relaisdolmetscher_innen sinnvoll sein.

Arbeitssprachen von Gebärdensprachdolmetscher_innen sind: deutsche Lautsprache, Deutsche Gebärdensprache (DGS), Lautsprachbegleitende Gebärden (LbG) und zudem in einigen Fällen Tastalphabete oder abgefühltes Gebärden für taubblinde Menschen. Außerdem gibt es einige Dolmetscher_innen, die auch Verdolmetschungen von und in die englische Lautsprache anbieten.